News

02.06.14 @ 16:35
gr3 Gras als erneuerbare Energiequelle

Lebensraum unter Strom – Stromtrassen ökologisch managen

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) ist der Dachverband der 145 Landschaftspflegeverbände und seit drei Jahren gegenseitiges Mitglied der FnBB.


Das ökologische Trassenmanagement ist eines seiner klassischen Arbeitsgebiete. Deshalb veranstaltete der DVL Ende Mai in Göttingen eine Tagun zum Thema „Stromtrassen ökologisch aufwerten“. Achim Kaiser von der FnBB nahm an der Veranstaltung im Rahmen des Projektes GR3 teil, das die Vergärung von Grasreststoffen innerhalb der EU behandelt.

Im Zusammenhang mit der Energiewende werden neue Stromtrassen gebaut und bestehende Trassen erweitert. Bisher gehen Netzplaner davon aus, daß die in Deutschland rund 35.000 Kilometerlangen „Stromautobahnen“ der Höchstspannungsleitungen bis zum Jahr 2050 um mehr als 8.500 Kilometer verlängert werden müssen. Dabei wird in Natur und Landschaft eingegriffen, unabhängig davon, ob die Leitungen unter oder über der Erde verlaufen. Während bei Trassen über Acker oder Grünland der Landwirt meist relativ uneingeschränkt wirtschaften kann wie zuvor, muß die Nutzung von Waldtrassen umgestellt werden. Maßnahmen zur Sicherung des Trassenzwecks der Stromübertragung können im umfangreichen Planungsverfahren so umgesetzt werden, daß dabei hochwertiger Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten entsteht. 

Dabei gibt es verschiedene Sicht- und Herangehensweisen, die auf der Tagung vorgestellt sowie rege diskutiert wurden. Der Gesetzgeber reagierte auf den erforderlichen Ausbau der deutschen Höchstspannungsnetze unter anderem mit dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) und dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), die der Bundesnetzagentur umfangreiche Aufgaben im Rahmen des Netzausbaus übertragen. Einen Überblick darüber vermittelte den knapp 60 Zuhörern Martin Böhnke von der Bundesnetzagentur aus Bonn. Nicht nur aus seiner Sicht stellt eine ökologische Bewirtschaftung der Stromtrasse eine Aufwertung des Lebensraums dar. In der Regel sind Trassen einschließlich sogenannter Wald- und Normalschutzstreifen etwa 80 Meter breit.

Michael Wahl vom Verteilnetzbetreiber „Westnetz“ gab einen äußerst kurzweiligen Erfahrungsbericht über zwei Jahrzehnte aktives Biotopmanagement. Das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der RWE Deutschland AG und besitzt ein Stromnetz mit insgesamt 195.000 Kilometer Leitungen aller vier Spannungsbereiche. Ihr Pflegegrundsatz ist: selten, aber intensiv pflegen, wobei die langsamwüchsigen Baum- und Straucharten herausgepflegt werden. Wahl erklärte, daß eine Intensivpflege der Stromtrassen aus ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten alle vier bis sieben Jahre am meisten Sinn macht. Das bestätigte auch eine von der Universität Freiburg durchgeführte Studie.

Als Fazit blieb den Teilnehmern, daß ein ökologisches Trassenmanagement eine standortgerechte und nachhaltige Entwicklung fördert.

Achim Kaiser







Fördergesellschaft für nachhaltige Biogas- und Bioenergienutzung e.V.