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23.05.12 @ 10:22

Rückblick und Bericht Informationsveranstaltung Direktvermarktung

Chancen und Risiken für Biogasanlagen bei der Stromvermarktung au??erhalb des EEG 2012


Am Nachmittag des 12. April lud die FnBB e.V. nach Kupferzell ein. Ziel der Veranstaltung war es, Betreibern von Biogasanlagen fundierte Informationen in kompakter Form über eine für viele noch völlig neue Thematik zu vermitteln. Dem Veranstalter gelang es, Referenten mit mehrjähriger Erfahrung in dem Thema Direktvermarkung von Strom au??erhalb des EEG's zu gewinnen.

Das zum Jahresanfang novellierte EEG bietet Betreibern von Neu- aber auch Bestandsanlagen die Möglichkeit, über die Direktvermarktung Zusatzerlöse zu generieren, die über die fixe gesetzlich garantierte Vergütung hinausgehen. Unterschieden werden drei Arten:

  • Marktprämie,
  • Grünstromprivileg und
  • sonstige Direktvermarktung.

Diese drei Vermarktungsarten dürfen aber per Gesetz nicht miteinander kombiniert werden.

Die Marktprämie kann von jeder Anlage genutzt werden, die Ihre Strommengen direkt vermarktet. Eine ??nderung der Fahrweise, technische Veränderungen oder Zusatzinvestitionen sind hierfür nicht erforderlich.

Die Flexibilitätsprämie ist nach dem EEG 2012 ein Prämienmodell zum Anreiz der bedarfsgerechten Einspeisung aus Biogas- und Biomasseanlagen in Verbindung mit einem Anreiz, in innovative Technologien zur Flexibilisierung der Stromerzeugung zu investieren. Allerdings ziehen diese baulichen und technischen Veränderungen Zusatzinvestitionen nach sich. Das Thema Grünstromprivileg spielt bei der direkten Vermarktung des in Biogasanlagen erzeugten Stroms keine nennenswerte Rolle.



Die Begrü??ung durch den Veranstalter übernahm Michael Köttner, erster Vorsitzender der FnBB e.V.. In den einleitenden Worten zum Thema betonte Dr. Manfred Dederer von der am LSZ in Boxberg ansässigen staatlichen Biogasberatung des Landes Baden-Württemberg, dass bei den Betreibern von Biogasanlagen noch ein ungeheuer hoher Informationsbedarf bei den Themen bedarfsgerechte Erzeugung von Biogasstrom und seine anschlie??ende zielgerichtete Vermarktung au??erhalb des EEG's bestehe. Für ihn handelt es sich dabei um einen komplexen Sachverhalt, der aber für die Branche einen nicht zu unterschätzenden Charme besitzt.

Den Dreierreigen der Fachvorträge begann Matthias Sonnleitner vom Kompetenzfeld Erneuerbare Energien der Hochschule Ingolstadt. Er stellte das Forschungsvorhaben ???BioStrom - Steuerbare Stromerzeugung durch Biogasanlagen??? sowie die ersten in deren Verlauf gewonnenen Erkenntnisse vor.

Ziel des im Herbst 2011 begonnen Projektes ist bestehende Biogasanlagen in die Lage zu versetzen, steuerbar und bedarfsgerecht Strom zu erzeugen.

Die während der Projektlaufzeit gewonnenen Erkenntnisse sollen die Grundlage für deutschlandweite Umbauma??nahmen an bestehenden und zukünftigen Biogasanlagen darstellen. Herr Sonnleitner ist überzeugt davon, dass Biogas in der Zukunft ein Kernelement bei der Energiewende darstellen wird.

 

Referent vom zweiten Vortrag des Nachmittags war Marcel Kraft von Clean Energy Sourcing aus Frankfurt am Main, die derzeit Marktführer in Deutschland bei der Versorgung von Kunden mit Strom aus EEG-Anlagen sind. Sein Referat mit dem Titel ???Direktvermarktung von Strom aus Biogasanlagen ??? Neue Rahmenbedingungen im EEG 2012??? hatte die Schwerpunkte Regelenergie und bedarfsgerechte Stromerzeugung sowie die Zusammenarbeit mit Direktvermarktungsdienstleistern.

Da die Direktvermarktung einer der Schwerpunkte des aktuellen EEG darstellt, wird sich seiner Meinung nach durch diese Marktintegration der Erneuerbaren Energien auch der Strommarkt verändern. Herr Kraft ist sich durchaus bewusst, dass diese Marktveränderungen zum Teil komplex sind. Allerdings konnten die Zuhörer im Rahmen des Referats für sich auch mit nach Hause nehmen, dass sich hier in absehbarer Zeit neue Chancen für Grünstromproduzenten auftun werden.

Frau Madlen Anders vom Ingenieurbüro Va??en aus Dettingen bei Reutlingen beleuchtete abschlie??end mit dem Referat ???Direktvermarktung und Flexibilitätsprämie - Projektumsetzung und genehmigungsrechtliche Auswirkungen??? die Thematik aus der Sicht einer in der Genehmigungsplanung tätigen Umweltgutachterin, die fast tagtäglich mit baulichen Veränderungen von Biogasanlagen zu tun hat.

Die Zuhörer waren erstaunt über die stetig zunehmende Komplexität bei den Fachgesetzen, welche neben den verschiedenen Versionen des EEG's den Anlagenbetrieb (je nach Zeitpunkt der Anlageninbetriebnahme) bei Erst- und Nachgenehmigungen tangieren. Frau Anders nannte hier zum Beispiel die verschiedenen Versionen der Biomasseverordnungen (BiomasseV) von 2001, 2005 und 2012 oder die aktuelle Novellierungen des Baugesetzbuches, in der sich im August 2011 die Grenze für bauliche Priviligierungen von Biogasanlagen geändert hat.

Auch wird es ab 01.06.2012 einen eigenen Genehmigungstatbestand für Biogasanlagen geben, der in der 4. BimSchV 2012 verankert ist. Dieser hat zur Folge, dass Biogasanlagen, die neu unter die Genehmigungspflicht fallen und nach dem 01.01.2009 in Betrieb gegangen sind, den Anspruch auf den NawaRo-Bonus endgültig verlieren können, sofern die neuen Anforderungen, wie gasdicht abgedecktes Gärrestlager und zusätzliche Gasverbrauchseinrichtungen, nicht erfüllt sind. Das hei??t im Klartext für den Anlagenbetreiber einer NawaRo-Anlage: Nachrüstung und Inbetriebnahme bis spätestens 31.05.2012!



Am Ende zogen die Organisatoren ein positives Resumee. Auch wenn die aufmerksamen Teilnehmer an diesem Nachmittag eine Fülle von neuen Sachverhalten zu hören bekamen, so waren sie doch mit den angebotenen Inhalten zufrieden. Die Präsentationen können von Mitgliedern der FnBB e.V. kostenlos als pdf-Datei unter der E-Mailadresse A.Kaiser(at)Biogas-Zentrum.de angefordert werden.

Die FnBB e.V. bedankt sich ganz herzlich bei allen, besonders den Referenten und dem Team der Gaststätte Günzburg in Kupferzell-Eschental, die zum Gelingen der Informationsveranstaltung beigetragen haben.


Achim KAISER







Fördergesellschaft für nachhaltige Biogas- und Bioenergienutzung e.V.