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15.03.14 @ 12:50

Energiewende in Gefahr?

Die geplante Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) provoziert den Widerstand der Energiewende-Verbände. Hiesige Branchenvertreter äußerten ihre Bedenken im Gespräch mit dem grünen Bundestagsabgeordneten Harald Ebner.


„Energiewende jetzt!“ fordern die Experten für erneuerbare Energien Heinz Kastenholz, Gottfried Gronbach, Gerhard Kreutz und Michael Köttner (von links) im Gespräch mit MdB Harald Ebner (Mitte). Foto Hartmut Volk


von HARTMUT VOLK

Wolpertshausen. Das Eckpunkte-Papier von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel vom 18. Januar sieht eine deutliche Senkung der Förderung von erneuerbaren Energien vor. Die Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) setzte vor kurzem noch eins drauf und behauptet: Das EEG sei weder ein kosteneffizientes Instrument für den Klimaschutz, noch bewirke es einen messbaren Zugewinn an neuen Technologien, so die Kommission in ihrem Jahresgutachten.

Die bundesweite Initiative „Erneuerbare Energiewende Jetzt!“ lief dagegen Sturm und rief unter dem Motto „Nicht die Luft aus der Energiewende nehmen!“ zu regionalen Aktionen auf. Ziel ist es, dass die örtlichen Bundestagsabgeordneten und Vertreter der Landesregierungen die Interessen der Erneuerbare-Energien-Branche zu einem Zeitpunkt wahrnehmen, in der sie noch Möglichkeiten haben, auf den Novellenentwurf Einfluss zu nehmen.

Während MdB Christian von Stetten von der CDU sich bisher noch nicht zum Gespräch bereit fand, und Koalitionspartnerin MdB Anette Sawade einen Termin am 24. März in Aussicht stellte, erklärte sich Harald Ebner von der Grünen Bundestagsfraktion spontan bereit zum Gespräch mit Organisator Michael Köttner, dem Vorsitzenden der in Weckelweiler ansässigen „Fördergesellschaft für nachhaltige Biogas und Bioenergienutzung e.V.“ (FnBB), Gottfried Gronbach, Präsidiumsmitglied des „Fachverbandes Biogas e.V.“, dem Leiter des Energiezentrums Wolpertshausen, Heinz Kastenholz und Gerhard Kreutz, dem Vorsitzenden der Energieinitiative Kirchberg.

In der öffentlichen Debatte herrsche „eine verheerende Schieflage“, befand Kreutz. Dem Verbraucher werde medienwirksam suggeriert, dass die steigenden Stromkosten durch den Ausbau der regenerativer Energien verursacht seien. Von der in letzten Jahren drastisch angestiegenen Ökostromumlage profitierten indes in erster Linie die Stromkonzerne, führte Michael Köttner von der FnBB weiter aus. Für die Biogas-Branche sieht er schwarz, wenn die Förderbeiträge wie geplant für landwirtschaftliche Neuanlagen mit über 75 Kilowatt Leistung massiv gekürzt würden: „Das wäre das Aus für die Biogastechnologie in Deutschland.“ fürchtet der Diplom-Agrarbiologe.

Denn: Für die Bereitstellung von flexibler Regelenergie aus Biogas bedarf es leistungsstarker Speicheranlagen. „Dadurch könnten wir ohne zusätzliche Anbauflächen die Kapazitäten verdoppeln“, erläuterte Köttner, der eine weitere „Vermaisung“ der Landschaft unbedingt vermeiden will. Ein weitgehend ungenutztes Potential sieht er in der Biogasgewinnung aus Gülle: „Es müsste zur Auflage werden, dass hinter jedem neuen Stall eine Biogasanlage gebaut wird“, meint der Vorsitzende von Deutschlands ältester Biogasvereinigung. Neben der Gewinnung von klimafreundlichem Ökostrom werde durch die Güllevergärung auch der Düngewert verbessert und die Geruchsbelästigung gemindert, teilte Köttner mit. Ein deutliches Kontra gab es auch von Gottfried Gronbach zu den Reformvorschlägen aus Berlin. Sie gefährdeten die langfristige Planungssicherheit, die für nachhaltige Entwicklung unabdingbar sei, kritisiert der Experte für Nahwärme, Solarstrom und Ökologisches Wohnen, und prophezeit den Verlust der Führungsrolle Deutschlands im Bereich Erneuerbare Energien.

Auch Bürgerbeteiligungsmodelle seien so künftig nicht mehr möglich, beklagt Gerhard Kreutz. „Die große Marschrichtung läuft auf Kohle und Atom raus“ fasst Harald Ebner die geplanten Gesetzesänderungen zusammen. Den Abgeordneten ärgert es, das die Energiewende nur auf ihre Kosten reduziert werde und ihr Nutzen komplett außen vor bliebe. Er will sich weiterhin für den Einsatz von erneuerbaren Energien stark machen, und sucht dabei nach Wegen, wo klimafreundliche Energiegewinnung mit Natur- und Landschaftsschutz zusammen gehen.







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